Methadonmengen-/Methadondosierungsangaben auf ärztlichen Bescheinigungen
für auslandsreisende Methadonpatienten/innen

Die "Internationale Koordinations- und Informationsstelle für Auslandsreisen von Substitutionspatienten" weist darauf hin, dass Methadonmengen- und -dosierungsangaben auf ärztlichen Bescheinigungen für auslandsreisende Patienten/innen in mg (Milligramm) erfolgen müssen. Die Kollegen/innen im Ausland können häufig mit den hierzulande üblichen Milliliter-und %-Lösungsangaben nichts anfangen - international gebräuchlich sind Angaben in Milligramm als d,l-Methadon (Methadon-Razemat)!

Zum Hintergrund: Unsere Koordinationsstelle erreichen gelegentlich Anrufe verzweifelter deutscher Patienten/innen aus Methadonvergabestellen im Ausland. Zur Verdeutlichung der Problematik zwei Beispiele: 1. Eine Patientin meldet sich wie vereinbart bei einem Methadonvergabezentrum im Ausland. Auf ihrer ärztlichen Bescheinigung ist die Tagesdosierung festgelegt als 17 ml Methadon HCl (0,5%-Lösung). Die verantwortliche Ärztin missinterpretiert dies als 17 mg, und die Patientin wird extrem unterdosiert versorgt. 2. Beispiel: Ein Patient meldet sich bei einer Methadonvergabestelle im Urlaubsland. Seine Bescheinigung enthält die Angaben 17 ml Methadon HCl (1,0%-Lösung). Der Kollege vor Ort kann damit nichts anfangen, und weil er nichts damit anfangen kann, ist er nicht zur Weiterbehandlung des Patienten bereit. Häufig kommt es auch vor, dass Methadonpatienten von ihren behandelnden Ärzten/innen so und so viel ml L-Polamidon attestiert bekommen. L-Polamidon ist im Ausland nicht gebräuchlich (nur Methadon-Racemat = d,l-Methadon), und die ausländischen Kollegen/innen sind damit noch mehr "überfordert". Unsere Erfahrungen zeigen, dass man nicht erwarten kann, dass die ausländischen Vergabestellen beim behandelnden Arzt in Deutschland rückfragen.

Zwar konnten wir in allen bisher an uns herangetragenen Notfällen helfen, indem wir sofort die korrekten Milligrammangaben an die verantwortlichen Ärzte/innen gefaxt haben; es kann aber auch einmal "schiefgehen", da wir nicht permanent erreichbar sind.

Um Fehldosierungen oder gar Ablehnungen der Weiterbehandlung Ihrer Patienten im Ausland zu vermeiden, machen Sie bitte alle Angaben bezüglich der mitgeführten Methadonmenge oder der Tagesdosierung in Milligramm. Nachfolgend noch einmal eine vereinfachte "Kurzanleitung" zur Umrechnung:

1 ml Methadon HCl 0,5%-Lösung

=

5 mg d,l-Methadon (Umrechnungsfaktor = 5)

1 ml Methadon HCl 1%-Lösung

=

10 mg d,l-Methadon (Umrechnungsfaktor = 10)

1 ml L-Polamidon

~

10 mg d,l-Methadon (Umrechnungsfaktor ~ 10)

10 mg d,l-Methadon 1% = 5 mg L-Polamidon

Achtung:

10 mg d,l-Methadon 1% sind nicht wirkungsgleich 10 mg L-Polamidon-Tropfen,

aber

10 ml d,l-Methadon 1% sind wirkungsgleich 10 ml L-Polamidon.

 

Bitte leiten Sie diese Informationen auch an Ihre Kollegen und Kolleginnen weiter.

Internationale Koordinations- und Informationsstelle
für Auslandsreisen von Substitutionspatienten
Ralf Gerlach
INDRO e.V.
Bremer Platz 18-20
D-48155 Münster
Fon: 0251-60123 oder 02571-582765
Fax: 0251-666580
Email

Münster, 21. April 2011

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